»Was uns trägt« – Eine Diskussion über Herkunft und Zukunft mit Gästen aus Wissenschaft, Literatur und Politik
Mit Patrick Albrecht, Marko Martin, Stefan Petermann
Moderation: Blanka Weber
Was trägt uns in dieser Zeit, in der vieles gleichzeitig ins Rutschen geraten ist: politische Gewissheiten ökonomische Versprechen, ökologische Grundlagen, soziale Bindungen? In der öffentliche Debatten lauter, schriller, oft auch simpler werden? In der populistische Antworten Zulauf finden, weil sie Orientierung versprechen – und dabei Komplexität verkürzen? In der die leisen, wichtigen Stimmen der Literatur unterzugehen drohen?
Dabei sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller Seismographen gesellschaftlicher Veränderungen. Sie spüren Verschiebungen im Denken, Fühlen und Handeln, lange bevor diese politisch benannt oder statistisch erfasst werden. Literatur findet Worte für Erfahrungen, für die uns im Alltag oft noch die Begriffe fehlen. Sie fragt nicht zuerst nach Lösungen, sondern nach dem, was mit und durch uns geschieht: individuell, sozial, historisch.
Geschichte vollzieht sich nicht nur als Abfolge großer Ereignisse. Sie setzt sich fort in unseren Entscheidungen, unserem Zögern, unserem Mitmachen oder Wegsehen. Finanzielle Instabilität, Klimakrise, Ressourcenverbrauch und weltweite Migrationsbewegungen verweisen auf eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die an ihre Grenzen stößt. Nach Jahrzehnten des Fortschrittsoptimismus wächst die Verunsicherung. In vielen europäischen Gesellschaften gewinnen autoritäre, nationalistische und ausgrenzende Positionen an Einfluss. Politische Schlagworte – von militärischer Aufrüstung bis zur Abschottung – prägen den öffentlichen Raum.
Was aber bedeuten diese Entwicklungen im gelebten Alltag? Wie verändern sie das Zusammenleben in Städten und Gemeinden, das Selbstverständnis von Verantwortung, Solidarität und Gemeinwohl? Und wie lassen sich diese Erfahrungen jenseits politischer Programme und tagesaktueller Debatten verstehen?
Literatur konfrontiert uns mit unserer eigenen Beteiligung am Geschehen. Sie ist unbequem, weil sie Verantwortung nicht delegiert. Sie fordert dazu auf, das eigene Handeln – und Nicht-Handeln – als Teil historischer Prozesse wahrzunehmen. „Du musst dein Leben ändern“ (Rilke): Diese Zumutung richtet sich nicht abstrakt an „die Gesellschaft“, sondern an jede und jeden Einzelnen.
Die vierteilige Gesprächsreihe „Was uns trägt“ des Thüringer Literaturrates und der Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen knüpft an die Diskussionen des vergangenen Jahres an und führt sie fort. Im Dialog von Menschen aus der Praxis und der Theorie, aus der Literatur, der Wissenschaft, besonders der Geschichte, Philosophie und Politikforschung und Persönlichkeiten, die in Kommunen konkret Verantwortung tragen, soll Raum entstehen für gemeinsames Nachdenken, für Zweifel, für Perspektiven.
Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen / Thüringer Literaturrat e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kabarett »Nörgelsäcke« und der Stadt Gößnitz. Mit freundlicher Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.