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»Was uns trägt« – Podiumsdiskussion über Herkunft und Zunkunft mit Kai Buchmann, Philipp Lepenies, Tina Pruschmann, Annette Seemann

Wann

22. Okto­ber 2026 
19:00 – 20:30

Wo

Stadt­bi­blio­thek »Rudolf Hagel­stange« Nordhausen
Niko­lai­platz 1, Nord­hau­sen, 99734 

Veranstaltungstyp

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»Was uns trägt« – Eine Dis­kus­sion über Her­kunft und Zukunft mit Gästen aus Wis­sen­schaft, Lite­ra­tur und Politik

Mit Kai Buch­mann, Prof. Dr. Phil­ipp Lepe­nies, Tina Pruschmann

Mode­ra­tion: Dr. Annette Seemann

 

Was trägt uns in die­ser Zeit, in der vie­les gleich­zei­tig ins Rut­schen gera­ten ist: poli­ti­sche Gewiss­hei­ten öko­no­mi­sche Ver­spre­chen, öko­lo­gi­sche Grund­la­gen, soziale Bin­dun­gen? In der öffent­li­che Debat­ten lau­ter, schril­ler, oft auch simp­ler wer­den? In der popu­li­sti­sche Ant­wor­ten Zulauf fin­den, weil sie Ori­en­tie­rung ver­spre­chen – und dabei Kom­ple­xi­tät ver­kür­zen? In der die lei­sen, wich­ti­gen Stim­men der Lite­ra­tur unter­zu­ge­hen drohen?

Dabei sind Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler Seis­mo­gra­phen gesell­schaft­li­cher Ver­än­de­run­gen. Sie spü­ren Ver­schie­bun­gen im Den­ken, Füh­len und Han­deln, lange bevor diese poli­tisch benannt oder sta­ti­stisch erfasst wer­den. Lite­ra­tur fin­det Worte für Erfah­run­gen, für die uns im All­tag oft noch die Begriffe feh­len. Sie fragt nicht zuerst nach Lösun­gen, son­dern nach dem, was mit und durch uns geschieht: indi­vi­du­ell, sozial, historisch.

Geschichte voll­zieht sich nicht nur als Abfolge gro­ßer Ereig­nisse. Sie setzt sich fort in unse­ren Ent­schei­dun­gen, unse­rem Zögern, unse­rem Mit­ma­chen oder Weg­se­hen. Finan­zi­elle Insta­bi­li­tät, Kli­ma­krise, Res­sour­cen­ver­brauch und welt­weite Migra­ti­ons­be­we­gun­gen ver­wei­sen auf eine Lebens- und Wirt­schafts­weise, die an ihre Gren­zen stößt. Nach Jahr­zehn­ten des Fort­schritts­op­ti­mis­mus wächst die Ver­un­si­che­rung. In vie­len euro­päi­schen Gesell­schaf­ten gewin­nen auto­ri­täre, natio­na­li­sti­sche und aus­gren­zende Posi­tio­nen an Ein­fluss. Poli­ti­sche Schlag­worte – von mili­tä­ri­scher Auf­rü­stung bis zur Abschot­tung – prä­gen den öffent­li­chen Raum.

Was aber bedeu­ten diese Ent­wick­lun­gen im geleb­ten All­tag? Wie ver­än­dern sie das Zusam­men­le­ben in Städ­ten und Gemein­den, das Selbst­ver­ständ­nis von Ver­ant­wor­tung, Soli­da­ri­tät und Gemein­wohl? Und wie las­sen sich diese Erfah­run­gen jen­seits poli­ti­scher Pro­gramme und tages­ak­tu­el­ler Debat­ten verstehen?

Lite­ra­tur kon­fron­tiert uns mit unse­rer eige­nen Betei­li­gung am Gesche­hen. Sie ist unbe­quem, weil sie Ver­ant­wor­tung nicht dele­giert. Sie for­dert dazu auf, das eigene Han­deln – und Nicht-Han­deln – als Teil histo­ri­scher Pro­zesse wahr­zu­neh­men. »Du musst dein Leben ändern« (Rilke): Diese Zumu­tung rich­tet sich nicht abstrakt an »die Gesell­schaft«, son­dern an jede und jeden Einzelnen.

Die vier­tei­lige Gesprächs­reihe »Was uns trägt« des Thü­rin­ger Lite­ra­tur­ra­tes und der Lan­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung in Thü­rin­gen knüpft an die Dis­kus­sio­nen des ver­gan­ge­nen Jah­res an und führt sie fort. Im Dia­log von Men­schen aus der Pra­xis und der Theo­rie, aus der Lite­ra­tur, der Wis­sen­schaft, beson­ders der Geschichte, Phi­lo­so­phie und Poli­tik­for­schung und Per­sön­lich­kei­ten, die in Kom­mu­nen kon­kret Ver­ant­wor­tung tra­gen, soll Raum ent­ste­hen für gemein­sa­mes Nach­den­ken, für Zwei­fel, für Perspektiven.

 

Phil­ipp Lepe­nies, gebo­ren 1971, ist Öko­nom und Pro­fes­sor für Poli­tik­wis­sen­schaft an der Freien Uni­ver­si­tät Ber­lin. Seit 2022 ist er zudem Lei­ter des For­schungs­zen­trums für Nach­hal­tig­keit am Otto-Suhr-Insti­tut. Im Suhr­kamp Ver­lag ist von ihm erschie­nen: Joseph Town­send, Über die Armen­ge­setze. Streit­schrift eines Men­schen­freun­des (als Her­aus­ge­ber, stw 1982), Die Macht der einen Zahl. Eine poli­ti­sche Geschichte des Brut­to­in­lands­pro­dukts (es 2673) sowie Ver­bot und Ver­zicht. Poli­tik aus dem Gei­ste des Unter­las­sens (es 2787), zuletzt »Sou­ve­räne Ent­schei­dun­gen« (es 2844).

Tina Pru­sch­mann, gebo­ren 1975 in Schmal­kal­den, lebt als Schrift­stel­le­rin in Leip­zig. Sie hat Sozio­lo­gie und Soziale Ver­hal­tens­wis­sen­schaft stu­diert. Der Ver­such, einen ordent­li­chen Beruf zu ergrei­fen, führte sie in Jur­avor­le­sun­gen, an eine För­der­schule, in eine psych­ia­tri­sche Kli­nik und in das Leh­rer­zim­mer einer Berufs­fach­schule. 2017 erschien ihr Debüt­ro­man Lostage  im Resi­denz Ver­lag. Es folg­ten 2019 der Foto-Inter­view-Band gott­ge­wollt (mit Marco War­muth, Foto­gra­fie) und 2022 der Roman Bit­tere Was­ser, für den sie 2025 den Les­sing-För­der­preis des Lan­des Sach­sen erhielt.. Zuletzt erschien von ihr 2025 (gemein­sam mit Alex­an­der Leist­ner, Manja Prä­kels und Bar­bara Thé­ri­ault der Repor­ta­gen­band »Extrem­wet­ter­la­gen«.

Kai Buch­mann, geb. 1976 in Nord­hau­sen und hier auf­ge­wach­sen, ist seit 2017 Ober­bür­ger­mei­ster der Stadt Nord­hau­sen (par­tei­los, bis 2016 Bünd­nis 90/Die Grü­nen). Seit 2019 ist er Mit­glied des Kreis­tags (Bür­ger­li­ste Süd­harz). Nach einer Lehre als Bank­kauf­mann stu­dierte er Betriebs­wirt­schafts­lehre und inter­kul­tu­rel­les Manage­ment in Jena. Ab 2005 war er Pro­jekt­ma­na­ger am Busi­ness und Inno­va­tion Centre Nord­thü­rin­gen, wo er für EU-Pro­jekte zustän­dig war. Ab 2013 war er als Refe­rent der Geschäfts­füh­rung des Süd­harz-Kli­ni­kums tätig. Von 2009 bis 2016 war er sach­kun­di­ger Bür­ger im Finanz­aus­schuss der Stadt Nordhausen.

Dr. Annette See­mann, geb. 1959 in Frank­furt am Main, Autorin und Über­set­ze­rin, Stu­dium der Ger­ma­ni­stik und Roma­ni­stik in Frank­furt a. M. und Poi­tiers (Frankreich),1986 Pro­mo­tion, Ergän­zungs­prü­fung für das Unter­richts­fach Ita­lie­nisch an Gym­na­sien, 1990–2000 freie Autorin des »FAZ«-Magazins, seit 2003 Vor­sit­zende des Freun­des­krei­ses »GAAB e. V.«, lebt seit 2002 in Weimar.

 

Ver­an­stal­ter: Lan­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung in Thü­rin­gen / Thü­rin­ger Lite­ra­tur­rat e.V. in Zusam­men­ar­beit mit Stadt­bi­blio­thek »Rudolf Hagel­stange« Nord­hau­sen und der Stadt Nord­hau­sen. Mit freund­li­cher Unter­stüt­zung des Thü­rin­ger Mini­ste­ri­ums für Bil­dung, Wis­sen­schaft und Kultur.

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