Literaturland Thüringen unterwegs – Lesung mit Anke Engelmann und Anselm Oelze
Moderation und Gespräch: Jens Kirsten
„Blender“ – Roman von Anke Engelmann
Hannes Bohn will nur eins: als Künstler leben. Doch für so einfache Wünsche ist die DDR zu eng. Hannes landet im Gefängnis, drogensüchtig und hoch verschuldet. Wenig später entdeckt die Stasi seine Begabung und bildet ihn zum Kunstfälscher aus. Erneut scheitert Hannes, diesmal an seiner Redlichkeit: Heimlich fälscht er ein Renaissance-Gemälde, um das Original vor dem Verkauf ins Ausland zu retten.
Anke Engelmann zeichnet das traurig-komische Leben eines Mannes nach, der durch die DDR-Geschichte stolpert. Er blufft sich durch Gefängnis, Psychiatrie und Untergrund, bis er selbst nicht mehr weiß, wer er wirklich ist: ein Bild, so oft übermalt, dass niemand mehr das Original erkennt. Ist Hannes ein tragisches Genie, ein Blender – oder beides zugleich?
»Ein spannender Schelmenroman, der auf faszinierende Weise das wechselhafte Leben des Kunstfälschers Hannes Bohn und zugleich die Geschichte der Zeitenwende von 1989/90 erzählt. Unterhaltsam und fesselnd erzählt, steht der Roman verwandten Legenden wie der des Peter Holtz von Ingo Schulze ebenbürtig zur Seite.« – Lutz Seiler
Anke Engelmann, 1966 in Weimar geboren, wo sie heute lebt und arbeitet, hat nach ihren Erfahrungen in vielfältigen Jobs Sprachwissenschaft studiert und ist gelernte Journalistin. Seitdem ist das Schreiben ihre Profession: Unter dem Namen »Büro für angewandte Poesie« verfasst sie eigene und lektoriert fremde Texte, hält Kurse für Kreatives Schreiben und unterrichtet Menschen mit Behinderung im Lesen und Schreiben. 2021 erschien bei Edition Schwarzdruck ihr Erzählband »Eiapopeia im Prenzelberg«.
„Die da oben“ – Roman von Anselm Oelze
Drei Frauen und ein Haus, in dem sie aufeinandertreffen – und entscheiden müssen, was sie retten wollen: ihre Überzeugungen oder die Beziehungen zu den Menschen, die sie lieben.
Als Tess mit ihrer Freundin Moyra in eine schöne Altbauwohnung im Leipziger Zentrum zieht, gehen für sie gleich mehrere Träume in Erfüllung. Ihre Beziehung hat endlich ein Zuhause und mit der Unterstützung von Moyras Eltern kann sie sogar ihre eigene Schneiderei eröffnen: und zwar im Erdgeschoss des Hauses, wo Rolf, der Mann ihrer Nachbarin Heike, einen Getränkeladen betrieben hatte, bis dieser der Konkurrenz durch die Lieferservices und der steigenden Ladenmiete zum Opfer fiel.
Seit über dreißig Jahren lebt das ältere Paar im obersten Stock des Hauses. Als ihm nun auch die Wohnung gekündigt wird, bieten die jungen Frauen Hilfe an. Aber je mehr Heike und Rolf auf »das kaputte System« und »die korrupten Eliten« schimpfen und allerorten Verschwörungen wittern, desto entschlossener geht Moyra auf Distanz. Tess dagegen gerät in arge Solidaritätskonflikte, und schließlich sind alle gezwungen, zu entscheiden, was sie retten wollen: ihre eigenen Überzeugungen oder die Beziehungen zu den Menschen, die sie lieben.
In seinem neuen Roman erzählt Anselm Oelze nicht nur die Geschichte eines Hauses und dreier Frauen. Einfühlsam und lebensnah befasst er sich auch mit den Spaltungen in der Gesellschaft und fragt danach, wie Zusammenleben wider alle Erwartungen gelingen kann.
Anselm Oelze, geboren 1986 in Erfurt, studierte unter anderem Philosophie in Freiburg und Oxford. Nach seiner Promotion arbeitete er an der Universität Helsinki und der LMU München. 2019 erschien sein Roman »Wallace«. Es folgten die literarische Reportage »Die Grenzen des Glücks: Eine Reise an den Rand Europas« (2021) und der Roman »Pandora« (2023). Er wurde mehrfach ausgezeichnet und lebt mit seiner Familie in Leipzig.
Eine Veranstaltung der Vertretung des Freistaats Thüringen bei der EU in Kooperation mit dem Thüringer Literaturrat im Rahmen der Reihe »Literaturland Thüringen unterwegs«. Mit freundlicher Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei und des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Eintritt: Nur auf Einladung der Vertretung des Freistaats Thüringen bei der EU.