Darf man den Antisemitismus verlachen?
Jens-Fietje Dwars liest aus Lessings Lustspiel „Die Juden“
Antisemitismus gibt es seit dem Mittelalter. Heute aber hat er Formen angenommen, die doppelt verunsichern. Die einen trauen sich nicht mehr, sich öffentlich zu ihrer Kultur zu bekennen, während andere ins Stammeln geraten, wenn sie darüber sprechen wollen: Darf man noch „Die Juden“ sagen? Muss es nicht Mitbürger jüdischen Glaubens heißen? Und ein Lustspiel – über „dieses Thema“, darf man so etwas drucken, müsste es nicht verboten werden im Wissen um unsere Geschichte?
Gotthold Ephraim Lessing war gerade einmal 20 Jahre alt, als er 1749 das Lustspiel „Die Juden“ schrieb. Er hat als erster deutscher Autor den Antisemitismus seiner Zeit nicht nur angeklagt, sondern auf der Bühne dem Verlachen preisgegeben. War das dumm, frech, zynisch – oder ein Zeichen von ungeheurer Souveränität, die uns heute fehlt?
Der Jenaer Schriftsteller, Film- und Ausstellungsmacher Jens-Fietje Dwars hat das Stück in seiner Edition Ornament mit Kupferstichen von Baldwin Zettl herausgegeben. Am Mittwoch, dem 30. September, stellt er das Buch ab 18.30 auf Einladung der Begegnungsgruppe Judentum im KuBuS vor. Er berichtet von der Entstehung des Stücks und liest aus dem Lustspiel, das in der Tradition von Shakespeares Komödien voller Sprachwirtz ist, lebendiger als das späte Drama „Nathan der Weise“.