Erdgeschichte vor 258 Ma (Mill. J.) – über Homo sapiens, Bronzezeit, Luther, Goethe etc. bis zur Neuzeit
Vortrag von Herrn Prof. em. Dr. Jörg W. Schneider
Als Thüringen unterging – vor 258 Millionen Jahren. Große Teile Europas, und damit auch fast ganz Deutschland, in wenigen Monaten vom Meer überflutet??? Ja, es spricht vieles dafür, dass die Zechstein-Transgression am Ende des Perm vor ca. 258 Millionen Jahren eine der raschesten Transgressionen der Erdgeschichte war. Meeresüberflutungen von großen Teilen der Kontinente hat es in der Erdgeschichte immer wieder gegeben, im Gebiet des heutigen Deutschland zuletzt im Tertiär vor ca. 3 Millionen Jahren. Das waren aber vergleichsweise langsame Meeresvorstöße. Die Zechsteinflut verlief nahezu katastrophenartig rasch, wie unsere Untersuchungen in Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und an der Zechsteinküste in Thüringen zeigen. Neben den noch heute genutzten Kali- und Steinsalzen sowie Gipslagerstätten hinterließ das Zechsteinmeer den Kupferschiefer. Dieser hat seit mindestens 800 Jahren zum wirtschaftlichen und damit kulturellem Aufschwung besonders in Mitteldeutschland beigetragen. Klassisch sind die Kupferschiefer-Bergbaureviere im Umland des Harzes und des Thüringer Waldes. Der Bergbau und die attraktiven Kupferschiefer-Fossilien haben diese Regionen zu Geburtsstätten der modernen Geowissenschaften werden lassen. Natürlich wusste auch Goethe um die Bedeutung dieses Bodenschatzes.
Im November 1775 in Weimar angekommen, besichtigte er bereits 1776 die verfallenen Kupferschiefer-Bergwerke in Ilmenau und bemühte sich umgehend, diese wieder in Gang zu setzen und damit dem verarmten Städtchen Ilmenau zu neuer Blüte zu verhelfen. Ab 1777 war Goethe Mitglied und ab 1780 mit nur 30 Jahren Chef der Bergwerkskommission im Großherzogtum. In dieser Eigenschaft kümmerte er sich auch um den Steinkohlenbergbau bei Manebach und veranlasste, dass dort für ihn Pflanzenfossilien geborgen wurden. Auf seine Veranlassung studierte der in Thüringen geborene Johann K.W. von Voigt ab 1776 Geognosie in Freiberg, um sich ab 1782 im Auftrage Goethes als Bergbeamter mit nutzbaren geogenen Rohstoffen in Thüringen zu befassen. Goethes Bemühungen um den Kupferschieferbergbau waren leider nicht von Erfolg gekrönt – 1812, 28 Jahre nach dem Neubeginn, musste aufgegeben werden. Goethes Resümee: „Ilmenau hat mir viel Zeit, Mühe und Geld gekostet, dafür habe ich aber auch etwas gelernt und mir eine Anschauung der Natur erworben, die ich um keinen Preis umtauschen möchte.“ Die von Goethe auf der Suche nach nutzbaren Rohstoffen und seinem Drang, zu verstehen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Faust Monolog), initiierte geowissenschaftliche Erforschung Thüringens setzt sich bis heute fort.
Veranstalter: Goethe-Gesellschaft Ilmenau-Stützerbach e.V.