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Vortrag von Herrn Prof. em. Dr. Jörg W. Schneider

Wann

4. Juni 2026 
16:00 – 17:30

Wo

Haus des Gastes Stützerbach
Papier­müh­len­straße 1, Stüt­zer­bach, 98694 

Veranstaltungstyp

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Erd­ge­schichte vor 258 Ma (Mill. J.) – über Homo sapi­ens, Bron­ze­zeit, Luther, Goe­the etc. bis zur Neuzeit

Vor­trag von Herrn Prof. em. Dr. Jörg W. Schneider

 

Als Thü­rin­gen unter­ging – vor 258 Mil­lio­nen Jah­ren. Große Teile Euro­pas, und damit auch fast ganz Deutsch­land, in weni­gen Mona­ten vom Meer über­flu­tet??? Ja, es spricht vie­les dafür, dass die Zech­stein-Trans­gres­sion am Ende des Perm vor ca. 258 Mil­lio­nen Jah­ren eine der rasche­sten Trans­gres­sio­nen der Erd­ge­schichte war. Mee­res­über­flu­tun­gen von gro­ßen Tei­len der Kon­ti­nente hat es in der Erd­ge­schichte immer wie­der gege­ben, im Gebiet des heu­ti­gen Deutsch­land zuletzt im Ter­tiär vor ca. 3 Mil­lio­nen Jah­ren. Das waren aber ver­gleichs­weise lang­same Mee­res­vor­stöße. Die Zech­stein­flut ver­lief nahezu kata­stro­phen­ar­tig rasch, wie unsere Unter­su­chun­gen in Meck­len­burg, Sach­sen-Anhalt und an der Zech­stein­kü­ste in Thü­rin­gen zei­gen. Neben den noch heute genutz­ten Kali- und Stein­sal­zen sowie Gips­la­ger­stät­ten hin­ter­ließ das Zech­stein­meer den Kup­fer­schie­fer. Die­ser hat seit min­de­stens 800 Jah­ren zum wirt­schaft­li­chen und damit kul­tu­rel­lem Auf­schwung beson­ders in Mit­tel­deutsch­land bei­getra­gen. Klas­sisch sind die Kup­fer­schie­fer-Berg­bau­re­viere im Umland des Har­zes und des Thü­rin­ger Wal­des. Der Berg­bau und die attrak­ti­ven Kup­fer­schie­fer-Fos­si­lien haben diese Regio­nen zu Geburts­stät­ten der moder­nen Geo­wis­sen­schaf­ten wer­den las­sen. Natür­lich wusste auch Goe­the um die Bedeu­tung die­ses Bodenschatzes.

Im Novem­ber 1775 in Wei­mar ange­kom­men, besich­tigte er bereits 1776 die ver­fal­le­nen Kup­fer­schie­fer-Berg­werke in Ilmenau und bemühte sich umge­hend, diese wie­der in Gang zu set­zen und damit dem ver­arm­ten Städt­chen Ilmenau zu neuer Blüte zu ver­hel­fen. Ab 1777 war Goe­the Mit­glied und ab 1780 mit nur 30 Jah­ren Chef der Berg­werks­kom­mis­sion im Groß­her­zog­tum. In die­ser Eigen­schaft küm­merte er sich auch um den Stein­koh­len­berg­bau bei Mane­bach und ver­an­lasste, dass dort für ihn Pflan­zen­fos­si­lien gebor­gen wur­den. Auf seine Ver­an­las­sung stu­dierte der in Thü­rin­gen gebo­rene Johann K.W. von Voigt ab 1776 Geo­gno­sie in Frei­berg, um sich ab 1782 im Auf­trage Goe­thes als Berg­be­am­ter mit nutz­ba­ren geo­ge­nen Roh­stof­fen in Thü­rin­gen zu befas­sen. Goe­thes Bemü­hun­gen um den Kup­fer­schie­fer­berg­bau waren lei­der nicht von Erfolg gekrönt – 1812, 28 Jahre nach dem Neu­be­ginn, musste auf­ge­ge­ben wer­den. Goe­thes Resü­mee: „Ilmenau hat mir viel Zeit, Mühe und Geld geko­stet, dafür habe ich aber auch etwas gelernt und mir eine Anschau­ung der Natur erwor­ben, die ich um kei­nen Preis umtau­schen möchte.“ Die von Goe­the auf der Suche nach nutz­ba­ren Roh­stof­fen und sei­nem Drang, zu ver­ste­hen, „was die Welt im Inner­sten zusam­men­hält“ (Faust Mono­log), initi­ierte geo­wis­sen­schaft­li­che Erfor­schung Thü­rin­gens setzt sich bis heute fort.

 

Ver­an­stal­ter: Goe­the-Gesell­schaft Ilmenau-Stüt­zer­bach e.V.

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