Jan Volker Röhnert

Sommer

Die Stadt mit Tarnfarbe bestrichen, was
steckt darin? Ein Lispeln, mit trockenem
Hals, entzifferst du als Liebesschwur.
Der Lichtstrahl reicht Tage, den

geteilten Himmel zu verschweißen,
als wäre nichts als Rauch gewesen,
woran das Auge seine Wimpern reibt.
Der Stieglitz ist keine Silbe mehr

verschossen als wer das Zauberwort
jetzt in die Haut graviert, die Kühle
ist ein Salz, das auf deinem
Zungenmoos gefriert. Das Gras,

von Grillen okkupiert, wie das Tal,
vertausendfacht, aus den Motoren schreit.
Bin ich dort ein anderer, wo
mein Schatten anders fällt,

wie stellst dir das vor? Hinter
den Lidern der Regenbogen
zieht neue Saiten auf, was
aus den Blättern spricht

und dann wie nie gewesen ist:
Nichts währt endlos, kommt
es dir zu Ohr, nichts von dem,
was jede Amsel ewig schwadroniert.

aus: Burgruinenblues, Gedichte, Wartburg Verlag, Weimar 2003.
Alle Rechte beim Wartburg Verlag.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages.