Moritz Gause

* 1986 in Berlin; freier Autor und Kulturmanager; 2006-2012 Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Jena; dreimaliger Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen; 2011 Preisträger des Hr2-Literaturpreises; seit 2011 Konzeption von "Wortwechsel - Junge Literatur Thüringen“; lebt in Jena.

Vanessa dell'ortica

Auf fremdem Feld

Kleiner Fuchs, auf meinem Kopfkissen nahmst Du unerwünscht Platz
frecher Vogel, und schwerlich nur ließest nach draußen Dich locken:
Lass Dich fangen von Enthusiast, Fledermaus oder Spatz –
brauchst nicht nächtens auf nächtliche Kissen Dich hocken.


Gespinst, rot geädert

Vom heutigen Irren zwischen Bahnsteigen und Bahnhöfen der Gedanke
Lauernd die Katze am Hang, Furche an Furche, auf Jagd
in Ammerbach, nach Mäusen. Tief stand die Sonne am Abend.
Gefallen hätte sie Dir, ruhig verharrte sie, Du
lagst morgens bei mir, Dein Rücken an meiner Brust, meinem Bauch.
Langsam trieben wir, im Bett, in den Tag hinein.

Im Waggon der Blick aus dem Fenster: das Springkraut, zwischen Weiden, Birken
und Pappeln versteckt, am Bach. Elstern streichen ab, es sind zwei.
Rostroter Falter, blauer Perlen Flügelränder, mir
bleibt der Gedanke an Dich, Kleiner Fuchs, das ist
des Falters Lapislazuli, von meinem Kissen nahm ich ihn sanft auf,
das Fenster geöffnet, doch flüchten wollt er nicht.

Gedanken an Dich, so verzweigt die Gleisanlagen, Frankfurt Hauptbahnhof.
Zwischen hallenden Durchsagen, klappernden Trolleys und Hamburger Fangesängen,
den zischenden und kreischenden Bremsen: ich mit Milchkaffee, viel Schaum,
den reichte ich Dir gern, auf einem Löffel, wie in Amsterdam nach Mitternacht −
ich wunderte mich selbst über mich. Du hieltst die Augen geschlossen,
und schmecktest nach, ein wenig Schaum noch zwischen Deinen Lippen.

Es sind die Züge, die Trams, das Unterwegsein überhaupt, wie Du bald sitzt,
über den Brenner in die Nacht, im Waggon lesend und schreibend, daran denk ich.
Oder unser Weg den Bahndamm entlang, langsam den Himmel ausmessend
die Sternschnuppe über dem Feld. Regionalbahnen, rot, Dein Haar,
ein kecker Falter in der Nacht. Es ist alles der Shawl
im Gespinst, rot geädert Kleiner Fuchs, Bahnhof Mainkur.


Kurzer Brief aus der Nacht

Die Fähe, entlang des Bahndamms, strich vorbei,
als setztest Du ein Zeichen mir von Ferne.
Die Nähe dieses Abends: ich bin allein, doch hier sind zwei,
als netztest so im Tau mir Sterne.

Alle Rechte beim Autor.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.