Literaturland Thüringen

Seit dem 4. Dezember 2014 ist die Website www.literaturland-thueringen.de freigeschaltet.

Palmbaum – Literarisches Journal aus Thüringen 2/2012

Das „Literaturland Thüringen“ entdecken

„Literaturland Thüringen“ – dahinter verbirgt sich nicht nur der Hinweis auf zahlreiche Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in Vergangenheit und Gegenwart hier lebten und leben, sondern aktuell auch eine gemeinsame Initiative der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, des Thüringer Literaturrates e.V. – von dessen Mitgliedern der Lese-Zeichen e.V. und die Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. federführend in der Planungs- und Entwicklungsphase wirkten – von MDR Figaro und MDR Thüringen – Das Radio.

Für dieses Vorhaben entsteht gegenwärtig eine Website (www.literaturland-thueringen.de), auf der die Nutzer voraussichtlich ab Anfang 2013 über eine Landkarte und über thematische Menüpunkte auf literarische Spurensuche in Thüringen gehen können. Ein Führer durch das heutige „Literaturland Thüringen“ wird ein umfassender Veranstaltungskalender sein, der die Termine der zahlreichen literarischen und literaturvermittelnden Akteure und Institutionen in Thüringen bündelt.

Angesichts des Umfangs der literarischen Bezüge, die Thüringen über die Jahrhunderte zu bieten hat, kann diese Arbeit selbstverständlich nicht ad hoc geleistet werden. Ausgehend von vorhandenen Materialsammlungen und Quellen wird die Website unter Einbeziehung von vielen Sachkundigen nach und nach wachsen, wobei jedoch literarische Neu- und Wiederentdeckungen im Zentrum des Interesses stehen. Ein wesentliches Ziel ist bei all dem die Vernetzung der Akteure, um so eine systematische Erforschung des „Literaturlandes Thüringen“ zu ermöglichen.

Inhaltlich wird es nicht um umfassende wissenschaftliche Abhandlungen gehen, sondern um kurze Texte, die Lust auf die Entdeckung eines Dichters oder eines literarischen Ortes machen und vor allem auch touristische Aspekte berücksichtigen. Eine wichtige im Hintergrund vonstatten gehende Arbeit wird die Verzeichnung aller Orte sein, die sich mit literarischen Bezügen verknüpfen. Auf einer Thüringenkarte lassen diese sich dann nach vielfältigen Auswahlkriterien aufsuchen.

Zum Grundgerüst gehören literarische Museen, Denkmäler, Dichtergräber und bestehender Dichterhäuser. Weiterführend werden dann Häuser einbezogen, in denen Dichter gelebt haben, an die jedoch bislang nichts oder nur eine Gedenktafel erinnert. Hier bietet sich die Möglichkeit, bislang nur marginal gewürdigte Orte mit Bildern und Texten aus ihrem gegenwärtigen Status herauszuheben und sinnvoll miteinander zu verknüpfen. (z.B. als „Dichterhäuser in Tautenhain“)

Daneben werden Personenporträts stehen, die sich nicht zwangsläufig nur auf einen Wirkungsort beziehen müssen, sondern – wo gegeben – die Verknüpfung unterschiedlicher Stationen sichtbar machen. Ganz im Sinne derartiger Verknüpfungen stehen „literarische Exkursionen“, die zum einen als Führungen angeboten, zum anderen von den Nutzern individuell nachvollzogen werden können. Die Spannbreite der Themen ist hier ebenso vielfältig wie die Möglichkeit intertextueller Verknüpfungen.

Um nur ein Beispiel zu geben: kaum einem Leser der Romane Hans Falladas ist bewußt, daß sein Werk eng mit Thüringen verbunden ist. In der Zeit, in der Fallada eine Ausbildung als Landwirtschaftseleve auf Schloß und Gut Posterstein bei Nöbdenitz im Altenburger Land durchlief, beobachtete und studierte er Land und Leute eingehend. Seine wirklichkeitsnahen Dialoge der kleinen Leute, die an Lakonie, Wortwitz und Esprit kaum zu übertreffen sind, hat er den Landarbeitern in Thüringen buchstäblich abgelauscht, während er sie bei der Feldarbeit beaufsichtigte. Aus der Region um Altenburg – deren Geographie der mecklenburgischen Landschaft zumindest ähnlich ist – speist sich ein gut Teil seiner literarischen Schöpfungen. Unbenommen ist, daß er anderenorts ebenfalls Erfahrungen sammelte, nicht zuletzt im mecklenburgischen Carwitz, die miteinander verschmolzen. Die Erkundung der Thüringer Stationen Falladas in Rudolstadt, auf Schloß Harth in Bad Berka, auf Burg Posterstein, auf dem Rittergut Tannenfeld, im Binswangerschen Institut in Jena und in Eisfeld, kann dem Entdecker Anlaß zu einer literarischen Spurensuche sowohl vor Ort als auch im Werk des Autors geben.

Anhand einer zeitlichen und räumlichen Suchfunktion, ergänzt um geeinete Kategorien bzw. Schlagworte, wird es möglich sein, einzelne Autoren über verschiedene Stationen in Thüringen zu verfolgen, oder aber themenspezifische Erkundungen durchzuführen. Die Suche nach den Stichworten „Weimar“ und „Bauhaus“ wird – wenn die entsprechenden Artikel vorliegen – zu Namen wie Henry van de Velde, Paul Klee, Nina Kandinsky, Lothar Schreyer oder René Halkett führen, um nur einige wenige zu nennen, die sich mit dem Thema verbinden.

Ein ambitioniertes Vorhaben, zugegeben, jedoch auch ein lohnendes. Das Autorenlexikon im Literaturportal des Thüringer Literaturrates e.V. (www.thueringer-literaturrat.de) verzeichnet über 2.100 Einträge, ungeachtet der zahlreichen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die Thüringen besuchten und über ihre Beziehungen zu Thüringen schrieben.