Leseförderung und Literaturvermittlung in Thüringen

Zu einer effektiven Leseförderung gehört die Betrachtung zweier Aspekte: die Lernenden, die die Lesekompetenz erwerben sollen, stehen ebenso im Fokus, wie die Vermittler, die über geeignete, erfolgsführende Vermittlungskompetenzen und -strategien verfügen müssen. Die Leseförderung muss die Schule, das Elternhaus und den außerschulischen Bereich umfassen. In der Schule liegt es vor allem an den Lehrern, wie sehr sie ihre Schüler für das Lesen begeistern können. Diese Begeisterung können durchaus auch Mathematiklehrer oder Sportlehrer weitergeben. Dem außerschulischen Bereich kommt dabei eine so wichtige Rolle zu, weil hier das Lesen als Freizeitgestaltung betrachtet wird und keinem Leistungsdruck unterliegt. Gleiches gilt natürlich auch für das Elternhaus, wobei Lesen als Freizeitbeschäftigung von Lesen als Lerninhalt / Hausaufgabe zu trennen ist. Außerhalb der Schule ist das Lesen und Vorlesen freiwillig, Themen können unabhängig von Lernzielen (mit) ausgesucht werden; hier ist Raum für Abschweifungen in das Reich der Phantasie und den spielerischen Gebrauch von Literatur. Während das Lesen eine individuelle Tätigkeit ist, wird das Vorlesen zu einer Gemeinschaftserfahrung. Hier spielen Bibliotheken eine wesentliche Rolle als Orte der Begegnung. Was bislang für Thüringen fehlt, ist eine systematische Bestandsaufnahme aller Initiativen im Bereich der frühkindlichen Bildung; zum Erzählen, Vorlesen, Lesen und (kreativen) Schreiben und damit verbunden ein Austausch über erfolgreiche und weniger erfolgreiche Projekte. Neben dieser Bestandsaufnahme und der Schaffung eines Netzwerks, das dem gegenseitigen Austausch unterschiedlicher Akteure dienen soll, plant der Thüringer Literaturrat, eine Reihe von Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen in den einzelnen Bereichen durchzuführen. Diese Weiterbildungen sind nicht zuletzt eine Form der Anerkennung ehrenamtlichen Engagements, bei denen neue Impulse für diese Arbeit gegeben werden sollen und die ehrenamtlich Tätigen in ihrem Tun bestärkt werden. Ohne die Vermittlung des Lesens als grundlegender Kulturtechnik im Elternhaus kann die Schule dies allein nicht leisten. Im wesentlichen muss also in diesem Bereich die Vermittlungs- und Weiterbildungsarbeit ansetzen. Gemeinsam mit seinen Mitgliedern und weiteren Kooperationspartnern möchte der Thüringer Literaturrat die Leseförderung im Kontext der Literaturvermittlung auf Landesebene stärken. Dazu gehört eine Bestandsaufnahme aller einschlägigen Initiativen und Projekte, deren Darstellung einer Vernetzung sowie der Anregung für andere Projekte dienen soll. Im wesentlichen gehören dazu die Bereiche der frühkindlichen Bildung (Kindergarten) und der schulischen Bildung, wobei Erzählen, Vorlesen, Lesen und kreatives Schreiben Bestandteile der Literaturvermittlung sind. Dazu gehören spezifische Angebote für junge Erwachsene: in Schreibwerkstätten und durch Schreibwettbewerbe werden Talente gefunden und gefördert; die Etablierung von Lesebühnen und das Angebot geeigneter jugendspezifischer Veranstaltungsformate dient der Vermittlung von Literatur für junge Erwachsene zwischen 16 und 30 Jahren. Ebenso gehören dazu generationsspezifische Angebote für die Altersgruppe zwischen 33 und 99, die vor allem durch literaturvermittelnde Vereine, Institutionen und Organisationen bereitgestellt werden. Mit diesem Projektnetzwerk wollen wir die Verbindung zwischen Alt und Jung verstärken. Erzähler und Vorleser vermitteln ihre Kenntnisse und Erfahrungen an die nachwachsenden Generationen. Nicht zuletzt wollen wir so das ehrenamtliche Engagement stärken und fördern und gesellschaftsintegrierend wirken.