Bücher vorgestellt: "Edition Muschelkalk 2016"


Kristina Stanczewski: Liegt das Land
nch blind wie Zucker. Gedichte,
Edition Muschelkalk, Band 42,
Wartburg Verlag, Weimar 2016.


Holger Uske: Die Weltenformel. Neue
Geschichten, Edition Muschelkalk,
Band 43, Wartburg Verlag, Weimar 2016.


Auf dem Fonds des alltäglichen Wahns breiten sich Seen und Wüsten aus, die sich aus den Gebresten der Jetztzeit speisen, aus der Überstürzung und Vereinzelung, in die wir geraten sind. Darin treibend das Parlando der Sprecherin einem Sturm der inneren wie äußeren Anfechtungen sich entgegenstellend, mit klarer Stimme, den Finger in die Wunden legend. Kristina Stanczewskis Poeme stehen in artifizieller, hart gefügter Sprache zuweilen; in einer andererseits nicht selten wie gebrochen wirkenden Attitüde sind sie dennoch von einer Kraft, die überwältigend sein kann. Die Dichterin aus der Spielkartenstadt, die ihr benachbarter, sprich Meuselwitzer Landsmann Hilbig als den "Ararat" einer verheerten von Bergbau und Industrie devastierten Landschaft bezeichnete, diese Dichterin ringt mit den Dingen, die aus dem Wachen wie den Träumen auf sie hereinbrechen; sie geht dem Verlorenen, Verleugneten nach dem Sieg einer Gesellschaft über die andere nach, erforscht mit ihrem Material, der Sprache, wie dieser Verlust sich in ihr manifestiert.

(Der Herausgeber André Schinkel im Nachwort zum Band 42 der Edition Muschelkalk)


Ein bestaunenswertes Merkmal dieser Texte aber ist ihre leise Inständigkeit, die Empathie der Erzählstimme mit ihrem, ihren jeweiligen Helden. Im Furor einer wie auch immer zeitgemäß empfundenen Kühle in dem, was sich als Literatur dieser Jahre zu gerieren trachtet, fällt diese Haltung (ein schwieriges Wort, ich weiß) zunehmend auf. Es ist ein von dieser Empathie aus tatsächlich Anteil nehmendes Erzählen, das Holger Uske betreibt, gepaart mit dem scharfen Seziermesser des Dichters, der auf jedes Wort, jede Interpunktion zu achten hat. Aus der Melange beider Gaben - es findet sich in Passagen, die, und wenn nur vermeintlich, mit einer Art des Wegsprechens' befasst sind - kommen die eindrücklichsten Momente dieser Prosa, nicht von ungefähr treten sie zumeist in der Schlusssequenz auf: "Von vorn kamen die ersten Fotografen." Oder: „Und das Licht wurde matt." Oder: „Hinter den Kühlturmschwaden sah der Mond durch ein Haufenwolkenloch."

(Der Herausgeber André Schinkel im Nachwort zum Band 43 der Edition Muschelkalk)