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Es stört mich nicht

Bärbel Klässner

 

Eine fremde nimmt mei­nen man­tel vom haken jemand geht in mei­nen schu­hen fort es stört mich nicht schirme und hüte natür­lich ver­schwin­den immer von selbst auch sche­ren haar­span­gen kugel­schrei­ber es stört mich nicht wenn ein laken sich zer­reißt tel­ler und glä­ser sich vom tisch her­un­ter­stür­zen daß die lücken im regal immer grö­ßer wer­den und die haut des sofas dünn und fleckig warum sollte es mich stö­ren wenn der stuhl sich ein bein bricht und das trep­pen­ge­län­der den schen­kel­hals daß meine katze nun schon mor­gens hustet und ihr klo nicht mehr fin­det nein es stört mich nicht wie das ganze haus auf sei­nen letz­ten engel war­tet weil die wände rei­ßen die bal­ken sich bie­gen und die tür eines mor­gens nicht mehr auf­ge­hen will eine fremde nimmt mei­nen man­tel vom haken jemand geht mit mei­nem namen fort


aus: Am Ende der Städte, Gedichte, Wei­mar 2001.
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung der Autorin. Alle Rechte bei der Autorin.

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