Die Zeitschrift »Palmbaum«. widmet ihre aktuelle Ausgabe dem Künstler und Dichter Gerhard Altenbourg

Als Gerhard Altenbourg am 30. Dezember 1989 an den Folgen eines Autounfalls starb, hinterließ er ca. 3000 Zeichnungen und Farbblätter, 200 Lithografien, 269 Holzschnitt-Kompositionen, 217 Radierungen, zahlreiche Künstlerbücher, Plastiken und Raumgestaltungen in Haus und Garten als ein Gesamtkunstwerk. Das vorliegende Heft möchte zeigen, wie stark dieses Werk in Thüringen verwurzelt ist. Es verfolgt die Lebensspur des Künstlers von seiner Geburt in Rödichen-Schnepfenthal über das Weimarer Jahrzehnt von 1948 bis 1958 bis zu seinem Wirken in Altenburg, wo er autonom, von der Öffentlichkeit der DDR teils ausgeschlossen, teils sich selbst zurück ziehend, und dennoch durch ein Netz lebendiger Kontakte mit der internationalen Kunstwelt verbunden, seinen eigenen Kosmos schuf. Wir sind keine Kunstzeitschrift und können daher nur wenige Grafiken zeigen, für deren Abdruckrechte wir der Stiftung Gerhard Altenbourg danken. Allein die Titel dieser Arbeiten verraten, dass er zugleich ein Dichter war. Sein literarischer Nachlass harrt noch gründlicher Erschließung, so dass wir im Folgenden nur mit wenigen Beispielen das lyrische Werk des Zeichners andeuten, ohne den Anspruch auf eine repräsentative Auswahl.
Der zweite Schwerpunkt des Heftes ist Wulf Kirsten gewidmet. Wir freuen uns, neben neuen Gedichten die Festrede von Christoph Schmitz-Scholemann zum 80. Geburtstag des Schriftstellers sowie dessen Dankesworte drucken zu dürfen, in denen der Dichter sein durchaus schwieriges Verhältnis zu Weimar bilanziert.
Wie in jedem Herbst dokumentieren wir die Mitteldeutsche Lyriknacht, bringen neue Prosa und einen Essay über Claude Simon. Unter der Rubrik Spurensuche erinnern wir an Ricarda Huchs Jenaer Jahre und drucken ein Interview mit Christa Grimm zur Wiederentdeckung eines Romans über den Ersten Weltkrieg.
Im Gespräch mit Julia M. Nauhaus, der Direktorin des Lindenau-Museums, erfahren Sie mehr über den Nachlass von Gerhard Altenbourg und den Einband unseres Heftes, dem eine Lithografie mit dem seltsamen Titel Empusa-Monstranz zugrunde liegt.
Allein 30 Seiten umfassen unsere Rezensionen – ein Luxus in der heutigen Medienlandschaft! Und zuletzt bringen wir noch die Beiträge der Finalisten zum Wettbewerb um den Menantes-Preis für erotische Dichtung. Ordentlich Lesefutter für die kommenden Regentage.

Editorial - Jens-F. Dwars